Es fängt Wochen vorher an
Lange bevor ich im Studio stehe, kommt die Anfrage: Ob ich an einem bestimmten Termin Zeit und Lust hätte, live in der Sendung zu kochen. Das ist oft vier bis sechs Wochen vorher. Und meistens steht das Thema schon dabei – in dem Fall: Pfifferlinge.
Dann setz ich mich hin und überleg mir ein paar Gerichte. Eine Auswahl schick ich an die Redaktion. Manchmal haben die noch Fragen, manchmal entscheiden sie sich direkt für eins. Hier wurde es: Pfifferlinge auf Kartoffel-Lauch-Waffeln. Anschließend arbeite ich das Rezept genau aus und schick es ihnen rüber.
Zum Nachkochen
Pfifferlinge auf Kartoffel-Lauch-Waffeln
Das komplette Rezept aus der Sendung gibt’s beim HR – Schritt für Schritt zum Nachmachen.

Die Woche davor: alles wird durchgesprochen
In der Woche vor der Sendung haben wir einen Telefontermin. Da legen wir genau fest, was vorbereitet wird und was live in der Show passiert. Welche Sachen schon geschnitten sind, was wir vor laufender Kamera machen – das hat alles Zeitgründe. In der Regel hab ich nämlich nur sieben Minuten in der Live-Show, um das Gericht fertig zu kochen.
In diesem Fall waren der Knoblauch und die Schalotte schon geschnitten, Butter, Crème fraîche und der Rest abgewogen. Auch der Waffelteig war vorbereitet – den erklär ich dann nur kurz.
Wir besprechen auch die Reihenfolge. Eigentlich will man immer mit dem Star des Themas anfangen, hier also den Pfifferlingen. Aber weil die Waffeln im Eisen ihre Zeit brauchen, kam zuerst der Teig ins Waffeleisen – und erst danach hab ich mich den Pilzen gewidmet. Genauso reden wir durch, welche Fragen der Moderator stellt und welche Tricks beim Gericht wichtig sind. Zum Beispiel, wie man Pfifferlinge richtig sauber macht. Oder dass man Pilze erst ohne Fett anbrät, bis das Wasser verdunstet ist – und erst dann das Öl dazugibt.
Der Tag davor: Einkaufen und Packen
Am Abend vor der Show geht’s für mich nach der Arbeit zum Einkaufen. Ich besorg alle Zutaten und pack meine Küchenutensilien zusammen. Meistens sind das mein Messer und meine Pfanne. Mit denen komm ich gut klar, und das gibt mir auch eine gewisse Sicherheit für die Show. Ich weiß, das Messer ist richtig scharf, es liegt gut in der Hand, und ich weiß genau, wie die Pfanne reagiert.
Dazu kommen oft Sachen, die nicht alltäglich und deshalb auch nicht in der Studioküche sind. An dem Tag das Waffeleisen. Ein anderes Mal eine Taco-Presse, eine Limettenpresse oder sonst was.
16:45 Uhr: Ankunft beim HR
Gegen Viertel vor fünf treff ich beim HR ein. Ich werde begrüßt und abgeholt, bring meine Sachen in die Garderobe und geh dann meistens direkt in die Vorbereitungsküche. Dort hab ich immer Hilfe von einem Mitarbeiter aus der Requisite. Wir wiegen die Zutaten ab, packen sie in kleine Schälchen, und ich bereite das Gericht schon einmal komplett vor.
Warum schon vorher? Weil das fertige Gericht in der Show von Anfang an dasteht. So hat man gleich einen schönen Beauty-Shot und kann es am Anfang präsentieren, bevor wir mit dem Kochen loslegen. Und ganz ehrlich: Es ist auch ein Fallback zum Probieren, falls es zeitlich in der Show mal nicht klappt. Was bis jetzt aber zum Glück immer geklappt hat. 😉
Zwischendurch kommt oft der Moderator vorbei. Wir stellen uns vor – wobei ich mittlerweile alle einmal durch hab und jeden kenne. Wir gehen nochmal gemeinsam die Fragen durch und besprechen den Ablauf.
Ab in die Maske
Danach geht’s für mich in die Maske. Ich werde abgepudert, es wird geschaut, dass die Haare sitzen, und schon ist es erledigt. Als Mann geht das zum Glück meistens relativ schnell.
In der Zwischenzeit richtet der Requisiten-Mitarbeiter schon die Studioküche her: Die Zutaten werden schön drapiert, das fertige Gericht in Szene gesetzt und mein Werkzeug – Messer, Pfanne und Co. – bereitgelegt.

18:00 Uhr: Rein ins Studio
Gegen 18 Uhr geht’s ins Studio. Ich werde verkabelt, bekomme mein Mikrofon und einen Knopf ins Ohr. Dann beginnt die Probe für die Live-Sendung. Da sind alle dabei, die später auch in der Show mitwirken: Kameraleute, Regisseur, Tontechniker, Moderator – und natürlich ich.
Einmal werden alle Ansagen des Moderators und die Kamerapositionen getestet, alle Clips angespielt, und ich spiel kurz meinen Part in der Küche durch. Wir klären nochmal ein paar Fragen, wie wir stehen und welche Parts der Moderator übernimmt – ob er zum Beispiel etwas schneidet.



18:45 Uhr: Jetzt wird’s ernst
Nach der Probe ist nochmal Pause. Um 18:45 Uhr beginnt die Show. Ich bin die ganze Zeit mit im Studio und schau zu – mein Live-Koch-Part ist in der Regel der letzte der Sendung. Kurz vorher steigt bei mir dann doch etwas die Nervosität.
Da hilft mir, dass vor meinem Part meistens ein Clip von rund fünf Minuten läuft. Die Zeit nutze ich, um schon mal die Pfanne und das Waffeleisen vorzuheizen, damit es danach sofort losgehen kann. Und die Moderatorin – in dem Fall die liebe Jasmin Pour-Fischer – unterhält sich vorher locker mit mir. Wir machen unsere Späße, und die Nervosität ist eigentlich schon verflogen, bevor es losgeht. Ich bin gut drauf und freu mich.
Dann wird runtergezählt. Was mir wirklich hilft: Ich bekomme über den Knopf im Ohr jede Minute die verbleibende Zeit durchgesagt. So weiß ich genau, wie viel Zeit ich noch hab – ob ich Gas geben muss oder ob wir uns über ein Thema noch etwas länger unterhalten können.
Die sieben Minuten
Und dann geht alles wie im Flug. Die Kameras bekomme ich ehrlich gesagt gar nicht mehr mit. Ich bin komplett aufs Kochen und auf die Unterhaltung mit der Moderatorin fokussiert.

Trotzdem bin ich jedes Mal heilfroh, wenn alles geklappt hat: wenn das Gericht rechtzeitig fertig wurde und der Moderator wirklich das frisch zubereitete Essen probieren kann – und nicht das vorbereitete.

Nach der Show
Nach dem Kochen kommt noch ein kurzer Vorausblick auf die nächste Sendung, der Wetterbericht und die Verabschiedung – alles aus der Küche heraus. Dann ist die Sendung vorbei.
Wir probieren gemeinsam das Essen. Der Produktionsleiter und der Regisseur kommen nochmal vorbei und bedanken sich, wir schwätzen noch ein bisschen. Dann geht’s zurück in die Produktionsküche: Der Requisiten-Mitarbeiter und ich spülen meine mitgebrachten Sachen, ich pack alles zusammen – und dann geht’s wieder heim.

Und daheim?
Daheim wird erstmal der Fernseher angemacht, die ARD-Mediathek geöffnet – und ich schau mir selbst an, wie alles gelaufen ist.
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